Dr.-Ignaz-Seipel-Platz, 1010 Wien

täglich von 8:00 bis 21:00 Uhr geöffnet

Ronald Kodritsch|Beziehungen auf Augenhöhe
Ronald Kodritsch

Ronald Kodritsch
Beziehungen auf Augenhöhe

18. Februar – 4. April 2026

Öl auf Leinwand, 700 x 300 cm, 2025
Fastentuch der Jesuitenkirche 2026

Ronald Kodritsch ist ein Vielmaler mit dem Talent zum Großmaler. Er malt in umfangreichen Serien und ist imstande, mächtige Formate zu bewältigen, wenn es darauf ankommt. Das Fastentuch der Jesuitenkirche ist sein bisher größtes Bild. Zu sehen sind zwei aufrechte Gestalten vor violettem Grund. Links übereinander getürmte farbige Rechtecke, rechts ein vieläugiger Erdapfel. Beide Gestalten haben oben Augen, über den Rechtecken zwei Ovale mit Punkten, oben am Erdapfel ein weiß gefiedertes Augenpaar, auch mit Pupillen. Die beiden Gestalten schauen sich an. Eine rationale Ordnung begegnet einem organischen Gebilde, das Abstrakte hat Beziehung zum Lebendigen, das einfache Grundnahrungsmittel zum elegant austarierten Kunstgebilde.

Die Kunst von Ronald Kodritsch besteht darin, die unterschiedlichsten Gebilde und Formen zueinander in Beziehung zu setzen. Das Motiv ist ihm ein Vorwand, etwas ganz anderes zu wagen. Er unternimmt Ausflüge ins Phantastische, Komische, Unkonventionelle, nicht Gesellschaftsfähige. Keine Angst vor Peinlichkeiten. Diese starke Malerei mischt Farben und Formen zu eindringlichen Bildern. Größenverhältnisse ändern sich blitzartig, was in einem Bild eben noch riesig groß erscheint, ist in einem nächsten winzig klein. Es gibt Ausflüge ins Traumhafte, eine Welt, mit Kinderaugen betrachtet und die Abgründe von Erwachsenenfantasien. Ronald Kodritsch wagt sich mit seiner Malerei in Bereiche vor, die von der alltäglichen Wahrnehmung kaum berührt werden. Seine Farben- und Formenwelt eröffnet ein Reich des Zauberhaften. Oft unerkannt ist das Wunderbare unser Begleiter mitten in den scheinbaren Banalitäten des immer gleichen Alltags. Und dann kann es geschehen, dass ein vieläugiger Erdapfel mit einem Mal die Augen aufschlägt, dass ein bunter Rechteckstapel zu tanzen und zu balancieren beginnt. Es ist ganz einfach.

Wir sind von einer Bildwelt umgeben, die uns längst gleichgültig geworden ist. Was tagtäglich auf uns einströmt, rauscht an uns vorüber. Niemand ist der Überfülle von Informationen gewachsen. Abgestumpft schlurfen unsere Augen in Bodennähe. Nur keine weiten Horizonte. Die Kunst von Ronald Kodritsch hat etwas Subversives. Sie gibt vor, sehr einfach zu sein. Keine Ausflüge in komplizierte Sachgebiete, keine komplexen Geschichten, eigentlich recht bodenständig, irgendwie vertraut, unheimlich ist das nicht, wie manchmal behauptet wird. Eine Kunst zum Ausruhen? Ist sie das? Sie ist es nicht. Diese Kunst ist bei genauem Hinsehen von einer permanenten Unruhe erfüllt. Es ist der Drang, die einfachen Dinge immer neu zu sehen, immer neu zu malen, immer neu zu gestalten – und ihnen auf diese Weise etwas zu entlocken. Dass nämlich in diesem Einfachen ein Zauber steckt, der sich in Farben und Formen zu erkennen gibt. Die Kunst von Ronald Kodritsch ist daher in einem sehr besonderen Sinn zeitgenössisch. In einer Zeit, die uns mit einer Überfülle an sinnlichen Eindrücken in den Stumpfsinn treiben will, ist diese Kunst eine Hilfe zum rechten Wahrnehmen. Sie macht das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit dem leichten Augenzwinkern dessen, der weiß, dass es andere und bessere Dinge zu entdecken gibt.  

Gustav Schörghofer SJ

Elias Franziskus Grüner|Ein erlösendes Ende,|Ein endloser Anfang

Elias Franziskus Grüner
Ein erlösendes Ende,
Ein endloser Anfang

3. Dezember 2025 – 28. Februar 2026

HINWEIS: Nach einem sehr bedauerlichen Vorfall von Vandalismus am 14. Dezember 2025 sind die Exponate der Ausstellung nun in der Sakristei aufgestellt. Die Besichtigung ist nur nach telefonischer Terminvereinbarung (+43 699 11441567) oder im Anschluss an die Sonntagsmesse möglich. Wir bitten um Verständnis.

Vier Arbeiten aus der Serie MANIFESTUS (2024/2025, unterschiedliche Materialien und Maße) in der zweiten und dritten Seitenkapelle rechts und links

Das Werk von Elias Franziskus Grüner ist relativ jung. Fast ausschließlich werden natürliche Materialien verwendet, Steine, Hautleim, Holz, Wolle. Tierpräparate spielen eine große Rolle, Vögel, Bienen, Mäuse. Dazu noch Honig und Blattgold. Im Ganzen gesehen sind es kleine Dinge. Die Kostbarkeit kommt nicht vom Material. Sie kommt von der Haltung, mit der den Dingen begegnet wird. Der Anspruch dieser Kunst, und den hat sie, wird eher still vorgetragen. Mitunter taucht diese Kunst auch in dunkle Zonen des Unheimlichen, doch auch dort leuchtet eine stille Schönheit auf. Es ist die Schönheit des Materials. Metall schimmert aus der Bauchhöhle einer präparierten Maus. Andere Arbeiten mit trockenem Gras und Bienen habe eine bezaubernde Poesie, die sich viel leichter erschließt. Dem Kitsch entgeht dieses Werk durch seine enge Bindung an die Widerspenstigkeit des Materials, der unverblümten Stofflichkeit aller Gestaltungen.

Im Kontext der zeitgenössischen Kunst nimmt das Werk von Elias Franziskus Grüner eine Sonderstellung ein. In der Tradition der Moderne lassen sich Anknüpfungspunkte bei einer Kunst der kleinen Dinge (Schwitters und die Folgen) genauso finden wie bei den exquisiten Gestaltungen eines Dagobert Peche. Auch zur spirituell hoch aufgeladenen Kunst eines James Lee Byars oder eines Josef Beuys lassen sich Fäden ziehen. Oder zur Verfahrensweise eines Damian Hirst oder der Wiener Aktionisten. Alles das bleibt aber sehr im Offenen, ohne direkte Abhängigkeiten. Elias Franziskus Grüner zählt zu jenen Künstlerinnen und Künstlern einer jungen Generation, deren Anliegen es ist, die im Materialismus einer Konsumgesellschaft untergegangene Seele zu einem neuen Leben zu befreien.

Die Aufstellung der Arbeiten von Elias Franziskus Grüner im Kontext der in der Jesuitenkirche ausgestellten Reliquien ist gewählt worden, weil sich beide Welten durch eine Parallele aufeinander beziehen lassen. Die Verwandtschaft ist optisch durch Blattgold und Klosterarbeit gegeben. Materielle Reste von Lebewesen werden von Grüner kostbar behandelt. Die Reliquien ihrerseits sind die materiellen Reste des Körpers von Heiligen oder Dinge, die mit diesen Körpern in Berührung gekommen sind. Im weiteren Sinn werden auch Gegenstände aus dem näheren Umkreis der Heiligen oder ihrer Gräber als Reliquien betrachtet, wie etwa Blumen, die beim Begräbnis des Heiligen auf sein Grab gelegt wurden. Der Verehrung von Reliquien liegt der Glaube zugrunde, dass sich der Geist im Stofflichen, Materiellen mitteilt, dass also von diesen Gegenständen eine heiligende und heilende Wirkung ausgeht.

In der Jesuitenkirche werden in Reliquienpyramiden und in Schreinen zahlreiche Reliquien von nicht näher bekannten Heiligen aufbewahrt. Sie dürften aus den römischen Katakomben stammen und werden namentlich genannten Märtyrern und Märtyrerinnen und anderen Heiligen zugeordnet. Auch Agnus Dei sind in diesen Schreinen zu sehen, Wachsscheiben mit figürlichen Darstellungen, die in der Osteroktav in Rom gesegnet worden sind. Seit dem 15. Jahrhundert wurden diese Segnungen vom Papst selber im 1. und im jeweils 7. Jahr seines Pontifikats vorgenommen. Reliquien und Agnus Dei sind eingebettet in reiche Klosterarbeit.

Gustav Schörghofer SJ

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