HINWEIS: Nach einem sehr bedauerlichen Vorfall von Vandalismus am 14. Dezember 2025 sind die Exponate der Ausstellung nun in der Sakristei aufgestellt. Die Besichtigung ist nur nach telefonischer Terminvereinbarung (+43 699 11441567) oder im Anschluss an die Sonntagsmesse möglich. Wir bitten um Verständnis.

Vier Arbeiten aus der Serie MANIFESTUS (2024/2025, unterschiedliche Materialien und Maße) in der zweiten und dritten Seitenkapelle rechts und links

Das Werk von Elias Franziskus Grüner ist relativ jung. Fast ausschließlich werden natürliche Materialien verwendet, Steine, Hautleim, Holz, Wolle. Tierpräparate spielen eine große Rolle, Vögel, Bienen, Mäuse. Dazu noch Honig und Blattgold. Im Ganzen gesehen sind es kleine Dinge. Die Kostbarkeit kommt nicht vom Material. Sie kommt von der Haltung, mit der den Dingen begegnet wird. Der Anspruch dieser Kunst, und den hat sie, wird eher still vorgetragen. Mitunter taucht diese Kunst auch in dunkle Zonen des Unheimlichen, doch auch dort leuchtet eine stille Schönheit auf. Es ist die Schönheit des Materials. Metall schimmert aus der Bauchhöhle einer präparierten Maus. Andere Arbeiten mit trockenem Gras und Bienen habe eine bezaubernde Poesie, die sich viel leichter erschließt. Dem Kitsch entgeht dieses Werk durch seine enge Bindung an die Widerspenstigkeit des Materials, der unverblümten Stofflichkeit aller Gestaltungen.

Im Kontext der zeitgenössischen Kunst nimmt das Werk von Elias Franziskus Grüner eine Sonderstellung ein. In der Tradition der Moderne lassen sich Anknüpfungspunkte bei einer Kunst der kleinen Dinge (Schwitters und die Folgen) genauso finden wie bei den exquisiten Gestaltungen eines Dagobert Peche. Auch zur spirituell hoch aufgeladenen Kunst eines James Lee Byars oder eines Josef Beuys lassen sich Fäden ziehen. Oder zur Verfahrensweise eines Damian Hirst oder der Wiener Aktionisten. Alles das bleibt aber sehr im Offenen, ohne direkte Abhängigkeiten. Elias Franziskus Grüner zählt zu jenen Künstlerinnen und Künstlern einer jungen Generation, deren Anliegen es ist, die im Materialismus einer Konsumgesellschaft untergegangene Seele zu einem neuen Leben zu befreien.

Die Aufstellung der Arbeiten von Elias Franziskus Grüner im Kontext der in der Jesuitenkirche ausgestellten Reliquien ist gewählt worden, weil sich beide Welten durch eine Parallele aufeinander beziehen lassen. Die Verwandtschaft ist optisch durch Blattgold und Klosterarbeit gegeben. Materielle Reste von Lebewesen werden von Grüner kostbar behandelt. Die Reliquien ihrerseits sind die materiellen Reste des Körpers von Heiligen oder Dinge, die mit diesen Körpern in Berührung gekommen sind. Im weiteren Sinn werden auch Gegenstände aus dem näheren Umkreis der Heiligen oder ihrer Gräber als Reliquien betrachtet, wie etwa Blumen, die beim Begräbnis des Heiligen auf sein Grab gelegt wurden. Der Verehrung von Reliquien liegt der Glaube zugrunde, dass sich der Geist im Stofflichen, Materiellen mitteilt, dass also von diesen Gegenständen eine heiligende und heilende Wirkung ausgeht.

In der Jesuitenkirche werden in Reliquienpyramiden und in Schreinen zahlreiche Reliquien von nicht näher bekannten Heiligen aufbewahrt. Sie dürften aus den römischen Katakomben stammen und werden namentlich genannten Märtyrern und Märtyrerinnen und anderen Heiligen zugeordnet. Auch Agnus Dei sind in diesen Schreinen zu sehen, Wachsscheiben mit figürlichen Darstellungen, die in der Osteroktav in Rom gesegnet worden sind. Seit dem 15. Jahrhundert wurden diese Segnungen vom Papst selber im 1. und im jeweils 7. Jahr seines Pontifikats vorgenommen. Reliquien und Agnus Dei sind eingebettet in reiche Klosterarbeit.

Gustav Schörghofer SJ