Den Jesuiten stehen in Wien zwei Kirchen zur Verfügung. Die barocke Jesuitenkirche-Universitätskirche befindet sich im Zentrum der Stadt, die moderne Konzilsgedächtniskirche in Wien 13, einem bürgerlichen Wohnbezirk. Die Räume beider Kirchen sind Gestaltungen von hoher künstlerischer Qualität. Sie sind für sich genommen bereits vollendet und brauchen keine weitere Ausschmückung. Weder die Jesuitenkirche, einer der frühen barocken Farbräume Wiens, deren Wände buchstäblich bis auf den letzten Quadratzentimeter farblich gestaltet sind, noch die karge Konzilsgedächtniskirche, deren Innenraum von grauem Sichtbeton, weißen Stahlflächen, honiggelbem Teppich und dem warmen Braun des Birnenholzes bestimmt wird.

Seit 1999 habe ich Künstler und Künstlerinnen in die Jesuitenkirche eingeladen. Zuerst wurden sie gebeten, ein bereits bestehendes Werk zur Verfügung zu stellen. Später wurden Arbeiten in Auftrag gegeben. Gleiches mache ich seit fünf  Jahren auch in der Konzilsgedächtniskirche. Die Projekte in unseren Kirchen verstehe ich als wesentlichen Teil meiner Tätigkeit als Künstlerseelsorger, eine Aufgabe, die mir vom Orden übertragen worden ist. Zusätzlich leite ich eine kleine Galerie in Wien 1, das JesuitenFoyer, deren Räumlichkeiten der Orden für dieses Engagement zur Verfügung stellt. Als weiterer Ort steht noch das Gewächshaus im Garten des Kardinal König Hauses in Wien 13 zur Verfügung.


Jesuitenkirche und Konzilsgedächtniskirche

Grundsätzlich gilt, dass alle Arbeiten ephemeren Charakter haben, das heißt, sie sind nur für begrenzte Zeit im Raum. Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist die Altarraumgestaltung in Wien 1 von Michael Kienzer und Manfred Erjautz. Alle anderen Installationen, Objekte, Bilder, Skulpturen waren jeweils mehrere Monate zu sehen und wurden dann wieder abgebaut. Manches ist erhalten geblieben und kann wieder verwendet werden, anderes wurde zerstört. Das Ephemere ist eine Grundregel. Damit bewege ich mich in der Spur einer alten Tradition der Kirche und der Jesuiten im Besonderen. Erinnert sei nur an die Aufbauten für das Vierzigstündige Gebet oder an je nach Monat wechselnde Ausstattungen von Hochaltären.

Maßgebendes Kriterium für die Wahl der Künstlerinnen und Künstler ist die künstlerische Qualität. Ich achte weder auf offen zur Schau getragene Katholizität noch auf Kirchenzugehörigkeit. Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei hoher künstlerischer Qualität die vom Raum her vorgegebene spirituelle Dimension auch in den Arbeiten von Künstlern gegeben ist, die am Rand oder jenseits des Randes der kirchlichen Organisation stehen (was für die meisten Künstlerinnen und Künstler gilt, mit denen ich zu tun habe). Die künstlerische Qualität der neuen Arbeiten schafft auch jene Beziehung zum Vorgegebenen, sei es nun barock oder modern, die in diesen sehr geprägten Räumen unerlässlich ist.

Da ich die Künstlerinnen und Künstler und ihre Arbeit kenne, weiß ich auch, was von ihnen generell zu erwarten ist. Ich mache keine Vorgaben, begleite aber die Arbeit am entstehenden Werk in der Regel. Es gibt Gespräche zum Charakter des jeweiligen Kirchenraums. Es gibt auch theologische Hinweise oder Erklärungen zum Ablauf liturgischer Handlungen. Wesentlich ist mir aber, dass die Künstler der Logik ihrer eigenen Kunst folgen und auf diese Weise eine Annäherung an den Raum, das Geschehen im Raum und an die Gemeinde stattfindet.

Ein wesentliches Element meiner Vorgehensweise ist die Vermittlung. Es hat sich herausgestellt, dass zwei Dinge wichtig sind. Zum einen die Information über ein geplantes Werk. Nicht sinnvoll wäre eine Meinungsumfrage oder gar Abstimmung – aber Information, vorbereitende Schilderung. Zum anderen die Hinführung zum vorhandenen Kunstwerk, seine Einbindung in die liturgischen Feiern, in die Zeit im Jahreskreis. Das geschieht durch aufliegende Texte, durch Predigt und bei den Eröffnungsabenden.


JesuitenFoyer

Das JesuitenFoyer ist nicht kommerziell orientiert und wird in der Art einer Galerie geführt. Pro Jahr finden fünf Ausstellungen statt. Eine ist dem aktuellen Träger des Otto Mauer Preises gewidmet. Zu den anderen Ausstellungen werden Künstlerinnen und Künstler gezielt eingeladen. Gesucht werden Positionen, die in Wien nicht oder zu wenig gezeigt werden. Wir suchen Kunstwerke, die formal von hoher Qualität sind und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Denken (oder auch Nicht-Denken) der Gegenwart ermöglichen. Es geht uns um Kunst, die eine Alternative zu öden und zerstörerischen Geisteshaltungen der gegenwärtigen Kultur bietet, die nicht nur Widerstand leistet, sondern kreativ einem Anderen und Besseren Raum schenkt.


Gewächshaus

Das Gewächshaus im Park des Kardinal König Hauses ist, da nur wenige Gebäude dieses Typs aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben sind, eine Rarität. Im Winter werden hier Topfpflanzen aufbewahrt. In der warmen Jahreszeit finden im Gewächshaus kleine Konzerte, Vorträge und Essen im Rahmen eines Symposions statt. Hier sind auch einige ausgewählte Kunstwerke, zurzeit Arbeiten von Christian Eisenberger und Claudia Märzendorfer, zu finden.


Gustav Schörghofer SJ