Toni Schmales Skulpturen, Performances, Zeichnungen, Animationen, Videos und Interventionen im öffentlichen Raum formulieren eine Kritik an den bestehenden sozialen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Ihr Werk hinterfragt stereotype Geschlechterkonstruktionen und Zuschreibungen. Ihre queer-feministische Sichtweise auf Macht, Kontrolle und Ordnung setzt sie selbstbewusst mit bildhauerischen Mitteln konsequent in Szene.

Ihre massiven, schwergewichtigen und meist monumental anmutenden Skulpturen entstehen in monatelanger Arbeit im Atelier. Zum Großteil aus Beton, Stahl, Edelstahl und Messing gefertigt, stehen sie als in sich geschlossene Werke, meist ohne Sockel frei im Raum. Die Skulpturen bestehen aus einzelnen Fragmenten, die durch unsichtbare, weil im Innenleben befindliche Verbindungen zusammengehalten werden. Meist bewegen sie sich zwischen Alltagsgegenstand, Gerät, Maschine, Möbel oder Architekturdetail, obwohl sie keines da­ von sind. Material und Farbigkeit und die damit verbundene Ver­- und Bearbeitung spielen in Toni Schmales ästhetischer Auseinandersetzung eine wesentliche Rolle. Hier entpuppt sich Toni Schmale als wahre Virtuosin, die das Potential der formalen und inhaltlichen Grenzen konsequent und gleichermaßen auslotet.

Die Jury des Msgr. Otto Mauer Preises 2017, bestehend aus Veronika Dirnhofer, Andreas Fogarasi, Hemma Schmutz, P. Gustav Schörghofer SJ und Johann Schwanberg, entschied, den diesjährigen Msgr. Otto Mauer-Preis Toni Schmale zuzuerkennen.

Ihr Werk ist eingebettet in die Geschichte der Skulptur des 20. Jahrhunderts und zeichnet sich durch seine Einzigartigkeit im Kontext gegenwärtiger Skulptur aus. Es vereint Strenge der Form mit einem feinen Sinn für die Schönheit elementarer Materialien, kühle Rationalität mit leidenschaftlichem Körperbewußtsein. Vor allem zeichnen sich diese Skulpturen durch die Wucht ihrer unverkennbaren Gestalt aus.

Skulpturen von Toni Schmale stehen wie mächtige Solitäre mitten im Raum oder sind mitunter auch an der Wand befestigt. Sie wirken vereinzelt und scheinen mit ihrer Umwelt in keinen Kontakt zu treten. Stahl und Beton sind die bevorzugten Materialien. Der Charakter des Schweren, des Wuchtigen herrscht vor. Elementare Setzungen sind das. Sie erinnern an Skulpturen der Minimal Art und sind wohl auch deren späte Nachkommen. Doch stehen sie ganz anders in der Welt. Sie sind Geburten der Leidenschaft und nicht des kühlen Kalküls, einer Leidenschaft aber, die in strenge Form gebracht worden ist. Manche der Stahlteile sind mit Körperabgüssen in Beton kombiniert. Doch auch ohne diese ausdrücklichen Hin­weise besitzen die Skulpturen von Toni Schmale einen intensiven Bezug zum Körper. Doch zeigen sie die Abwesenheit eines Körpers an, wie Prothesen, die der Verwendung entzogen sind. Sie stiften einen Leerraum. Daher auch die Stille, die sie umgibt.

Ort: JesuitenFoyer, Bäckerstraße 18, 1010 Wien
Ausstellungsdauer:
10. Dezember 2017 – 30. Jänner 2018
Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 16:00 – 19:00 Uhr sowie Sonntag 12:00 – 13:00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter +43 699 1144 1567