Zu Gabriele Rothemanns Bügelbrett

Das Amstettner Bügelbrett, an einem Ende mir gerundet in Erinnerung (Wozu, zu welchem Zweck? würde ich heutzutage fragen). und das ihm straff übergezogene weiße Tuch dürfte gelbliche Stellen aufgewiesen haben, Vorformen von Brandflecken. ist in seiner Freizeit zwischen Vorzimmerkasten und Wand gelehnt, in Verwendung zwei Sessellehnen aufgelegt, vom Aussehen einer provisorischen Brücke. also ein Stegbrett geworden. Gabriele Rothemanns Ausstellung im JesuitenFoyer wird auf der Einladung illustriert von einem der Geräte, welche Bügelbretter abgelöst haben. vor einer Wand der Länge nach aufgerichtet und keiner Stützung bedürftig, steht es da und gemahnt in seiner scheinbaren Zweckfreiheit an schlichte, ganz schmale Altäre, und hätte es uns die Schönheit oder Eleganz puristischer Funktionalität vor Augen zu führen – und lehnt nicht wie abgeschnallte Schier an einer Mauer. angelegt wie Flügel hat es die klappbaren Stützen, ist schließlich ein dreidimensional konzipiertes Gebilde, ein Gerät.

sollte in Urwaldrelikten Urwaldwäsche gebügelt werden, so doch, auch wegen fehlender Anschlüsse an elektrischen Strom, auf ausrangierten Bootsbrettern – und diese Urwaldbewohner sähen Gabriele Rothemanns Objekt vermutlich als Kultgegenstand an. und deren Botschaft an uns Ausstellungsbesucher? mehr noch als die Installations- und Steckdosenkunst sei die Welt der jeden Firlefanz entbehrenden Alltagsgegenstände und -geräte im Begriff, uns die altvaterisch subjektive Kunst vergessen zu lassen, und die Pflege sozialer Kontakte, der alten Kunst ferngelegen gewesen, erfordere keineswegs, dass in großen Gruppen gebügelt werde.

wie Gebrauchsgraphik werden wir die nunmehrigen Gebrauchskunstgegenstände betrachten, sie also nicht der bald hingestorbenen Egomanie zu praktischer Nutzung preisgeben: Alleen von bald verwurzelten Automobilen werden wir durchschreiten, inmitten deren Vielfalt so glücklich wie unter endlich wieder blühenden Kastanienbäumen!

Julian Schutting (1. Februar 2024)