Für ihre Ausstellung im JesuitenFoyer hat Barbara Kapusta den Titel „Union“ gewählt. Union steht für Block, Bund, Bündnis, Gemeinschaft, Pakt, Verbindung, Vereinigung, Zusammenschluss. Damit verweist die Msgr. Otto Mauer-Preisträgerin 2020 auf die aktuelle Situation, in der und mit der wir leben, und auf den Zusammenhalt als ein essenzieller Parameter einer menschlichen Gesellschaft.

Zu sehen sind Arbeiten, die in den Jahren 2018 bis 2020 entstanden sind. So sind u.a. Teile der beiden Installationen „Dangerous Bodies“ (2019) und „The Giant“ (2018) zu sehen.

Barbara Kapusta hat „Dangerous Bodies“ 2019 für den Kunstraum London konzipiert. Es treffen verschiedene Charaktere einer technohumanen Gegenwart aufeinander. Sie sind multipel, partiell, leer und sich kontinuierlich faltend. Hier thematisiert die Künstlerin die Materialität von Körpern und Geschlecht, ihre Geschichte des Werdens und ihre Vielfalt. Dabei kommt sie zum Schluss: „Gefährliche Körper sind Körper, die sich verwandeln, bis sie schmerzen.“

Ebenfalls gezeigt werden ausgewählte Arbeiten, die für die Installation „The Giant“ entstanden sind und 2018 in der Galerie Gianni Manhattan in Wien zu sehen waren. Im Mittelpunkt dieser Arbeiten steht der sich transformierende Körper. Im Raum stehende und an der Wand fixierte Sprechblasen geben Fragmente jener Rede wieder, die von einem riesenhaften, in seiner Körperlichkeit nicht eindeutigen Wesen artikuliert werden. Es repräsentiert ein „Ich“ und ein „Wir“, das die Unentscheidbarkeit zum Prinzip erklärt, indem es die Form verändert und das Geschlecht wechselt und die BetrachterInnen auffordert näherzutreten, es kennenzulernen und die eigene Angst zu überwinden.

Barbara Kapusta

Das zentrale Element in Barbara Kapustas (*1983, Niederösterreich) Objekten, Filmen, Videoinstallationen und textbasierten Arbeiten ist die Verbindung des Körpers mit Materialität und Sprache. „Ich spreche in meinen Filmen und Videoinstallationen, Performances und objekt- und textbezogenen Arbeiten über Utopien von Gemeinschaft, von Körpern und Figuren. Utopien, die gleichzeitig meiner Fiktion als auch unserer Realität entspringen. Dabei geht es mir um die Frage, wie Fiktion eine Gegenwelt, im Sinne von Gesellschaftsentwürfen initiieren kann.“ — Barbara Kapusta.

Wenn Barbara Kapusta über Fiktion als ästhetisches Handlungspotential spricht, bezieht sie sich unter anderem auf Werke von Theoretikerinnen und Poetinnen wie zum Beispiel Ursula K. Le Guins Roman „The Disspossessed“ oder Sophie Lewis Buch „Full Surrogacy Now: Feminism Against Family“ (Verso, 2019). Lewis formuliert darin einen Aufruf zur Abschaffung der Familie und die Frage nach alternativen Lebensmodellen, die sich an solidarischen Konzepten von Verwandtschaft, Supportstukturen und Fürsorge orientieren.

Das JesuitenFoyer

Unter der künstlerischen Leitung von Gustav Schörghofer SJ präsentiert das JesuitenFoyer nach einer langjährigen Renovierungsphase seit September 2020 wieder zeitgenössische Ausstellungen. Jeweils eine der fünf Ausstellungen im Jahr ist der Trägerin bzw. des Trägers der Msgr. Otto Mauer-Preises gewidmet. „Wir suchen Kunstwerke, die formal von hoher Qualität sind und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Denken (oder auch Nicht-Denken) der Gegenwart ermöglichen. Es geht uns um Kunst, die eine Alternative zu öden und zerstörerischen Geisteshaltungen der gegenwärtigen Kultur bietet, die nicht nur Widerstand leistet, sondern kreativ einem Anderen und Besseren Raum schenkt.“ — Gustav Schörghofer SJ

Otto Mauer-Fonds fördert Projekte

Neben der jährlichen Vergabe des Msgr. Otto Mauer-Preises fließt der weitaus größte Teil der Mittel des Otto Mauer-Fonds in Projektförderungen in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Theater, Wissenschaft und Erwachsenenbildung.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Union“ dauert bis 27. April 2021.

Unter Einhaltung der geltenden COVID-19-Bestimmungen kann sie zu den Öffnungszeiten (Montag und Freitag, jeweils 17:00–19:00 Uhr; Sonntag, 12:00–13:00 Uhr) oder nach telefonischer Vereinbarung (Frau Veronika Zacherl, T +43 699 11441567) besucht werden. Der Eintritt ist frei.

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