Toni Schmale ist Otto Mauer-Preisträgerin 2017Ausstellung im Jesuitenfoyer bis 30. Jänner 2018

Toni Schmale ist Otto Mauer-Preisträgerin 2017
Ausstellung im Jesuitenfoyer bis 30. Jänner 2018

Dezember 2017 – Jänner 2018

Toni Schmales Skulpturen, Performances, Zeichnungen, Animationen, Videos und Interventionen im öffentlichen Raum formulieren eine Kritik an den bestehenden sozialen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Ihr Werk hinterfragt stereotype Geschlechterkonstruktionen und Zuschreibungen. Ihre queer-feministische Sichtweise auf Macht, Kontrolle und Ordnung setzt sie selbstbewusst mit bildhauerischen Mitteln konsequent in Szene.

Ihre massiven, schwergewichtigen und meist monumental anmutenden Skulpturen entstehen in monatelanger Arbeit im Atelier. Zum Großteil aus Beton, Stahl, Edelstahl und Messing gefertigt, stehen sie als in sich geschlossene Werke, meist ohne Sockel frei im Raum. Die Skulpturen bestehen aus einzelnen Fragmenten, die durch unsichtbare, weil im Innenleben befindliche Verbindungen zusammengehalten werden. Meist bewegen sie sich zwischen Alltagsgegenstand, Gerät, Maschine, Möbel oder Architekturdetail, obwohl sie keines da­ von sind. Material und Farbigkeit und die damit verbundene Ver­- und Bearbeitung spielen in Toni Schmales ästhetischer Auseinandersetzung eine wesentliche Rolle. Hier entpuppt sich Toni Schmale als wahre Virtuosin, die das Potential der formalen und inhaltlichen Grenzen konsequent und gleichermaßen auslotet.

Die Jury des Msgr. Otto Mauer Preises 2017, bestehend aus Veronika Dirnhofer, Andreas Fogarasi, Hemma Schmutz, P. Gustav Schörghofer SJ und Johann Schwanberg, entschied, den diesjährigen Msgr. Otto Mauer-Preis Toni Schmale zuzuerkennen.

Ihr Werk ist eingebettet in die Geschichte der Skulptur des 20. Jahrhunderts und zeichnet sich durch seine Einzigartigkeit im Kontext gegenwärtiger Skulptur aus. Es vereint Strenge der Form mit einem feinen Sinn für die Schönheit elementarer Materialien, kühle Rationalität mit leidenschaftlichem Körperbewußtsein. Vor allem zeichnen sich diese Skulpturen durch die Wucht ihrer unverkennbaren Gestalt aus.

Skulpturen von Toni Schmale stehen wie mächtige Solitäre mitten im Raum oder sind mitunter auch an der Wand befestigt. Sie wirken vereinzelt und scheinen mit ihrer Umwelt in keinen Kontakt zu treten. Stahl und Beton sind die bevorzugten Materialien. Der Charakter des Schweren, des Wuchtigen herrscht vor. Elementare Setzungen sind das. Sie erinnern an Skulpturen der Minimal Art und sind wohl auch deren späte Nachkommen. Doch stehen sie ganz anders in der Welt. Sie sind Geburten der Leidenschaft und nicht des kühlen Kalküls, einer Leidenschaft aber, die in strenge Form gebracht worden ist. Manche der Stahlteile sind mit Körperabgüssen in Beton kombiniert. Doch auch ohne diese ausdrücklichen Hin­weise besitzen die Skulpturen von Toni Schmale einen intensiven Bezug zum Körper. Doch zeigen sie die Abwesenheit eines Körpers an, wie Prothesen, die der Verwendung entzogen sind. Sie stiften einen Leerraum. Daher auch die Stille, die sie umgibt.

Ort: JesuitenFoyer, Bäckerstraße 18, 1010 Wien
Ausstellungsdauer:
10. Dezember 2017 – 30. Jänner 2018
Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 16:00 – 19:00 Uhr sowie Sonntag 12:00 – 13:00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter +43 699 1144 1567

„Durchdringung“Installation in der Konzilsgedächtniskirche

„Durchdringung“
Installation in der Konzilsgedächtniskirche

Oktober 2017 – Februar 2018

Im Zusammenhang des Kirchenraums mit seiner überaus strengen Ordnung stellt die Arbeit von Katharina Heinrich einen spielerischen Umgang mit dem durch die Architektur Vorgegebenem dar. Sie vollzieht das, was auch in jeder Feier geschieht: Wir stellen uns in eine Ordnung, wissen uns im Rahmen eines Gesetzes und gehen zugleich immer wieder über die Grenzen der Ordnung hinaus. Wir bilden als eine Gemeinschaft von Menschen ein horizontales Geflecht und erfahren, dass unsere Ebene von einer anderen durchdrungen wird. Wir erleben, wie jeder Punkt unseres Bereichs mit einem Mal aufbrechen kann in eine neue Welt, in neue Räume, wie an jedem Ort, in jeder Situation sich der Zugang zu einer ungeahnten Weite, Tiefe, Höhe eröffnen kann. Wir sind stets unmittelbar zu Gott. „Entdecken heißt nicht nach neuen Ländern suchen, sondern mit neuen Augen sehen.“ Diesen Satz von Marcel Proust habe ich kürzlich auf einen Baustellenzaun geschrieben gesehen. So ist es: Gott entdecken heißt nicht, neue, unbekannte Kontinente des Innenlebens oder von ständiger Sonne beschienene Glückszonen zu suchen, sondern das Gewöhnliche, Alltägliche, oft Beschwerliche und Belastende unseres Lebens hier und jetzt mit neuen Augen sehen. Vielleicht kann die Arbeit von Katharina Heinrich daran erinnern.

Die Präzision des BeiläufigenChristian Eisenberger setzt starke Zeichen.

Die Präzision des Beiläufigen
Christian Eisenberger setzt starke Zeichen.

Dauerausstellung im Gewächshaus

„Geben Sie ihm irgendetwas, er macht Kunst daraus!“ Christian Eisenberger kann das. Sein großes Atelier wirkt wie eine mit Abfall und Gerümpel gefüllte Halle, immer wieder etwas dazwischen, das an Malerei oder Skulptur erinnert. Bekannt geworden ist er vor Jahren durch Figuren aus bemaltem Verpackungskarton, die auf Straßen und Plätzen über Nacht aufgetaucht sind. Tausende dieser Figuren hat Christian Eisenberger verteilt. Nach und nach sind Sammler auf sie aufmerksam geworden.

Wer genauer hinsieht und sich etwas Zeit lässt für diese scheinbar aus allen Fugen geratene Kunstwelt, der entdeckt einen Künstler mit scharfem Sinn für die Form und einer erstaunlichen Bildkraft. Christian Eisenberger kann Gestalten und Bilder schaffen, die befremden, erschüttern, verärgern, erfreuen. Gleichgültig lässt einen diese Bildwelt nicht. Viele der Arbeiten sind Resonanzen, Nachhall vorhandener Kunst. Nichts ist auf Dauer angelegt,alles wird einem Prozess der Verwandlung, des Vergehens unterworfen. Christian Eisenberger ist ein harter Arbeiter. Doch er bezeugt mit seinem Werk die Vergeblichkeit allen Tuns. In seinen Werken schwingt aber auch die Erinnerung an etwas mit, das es im Jenseits der Vergeblichkeit zu erreichen gibt. Mit seiner Kunst gibt Christian Eisenberger zu erkennen, dass er selber nicht das letzte Wort hat.Die staunenswerte und immer neu zu entdeckende Schönheit seiner Arbeiten weist über sein Tun hinaus.

Die zweiflügelige Tür stammt aus einer Wiener Wohnung, einer jener alten Wohnungen mit großen Räumen und weiten Türöffnungen. Vielleicht ist sie einer Renovierung zum Opfer gefallen. Christian Eisenberger hat beinahe Dreiviertel der Tür so weggeschnitten, dass ein Kreuz auf einer Art Sockel entstanden ist. Die Schnitte sind präzise gesetzt. Der Rhythmus der Flächen, die Verteilung von Leere und übriggelassenem Material, das Zusammenspiel von Flächen und Profilen, all das zeigt, wie klar und bewusst hier gestaltet worden ist. In der Beziehung zum Kreuz bekommt die Tür eine eigene Bedeutung. Das Wort Jesu „Ich bin die Tür …..“ (Joh 10,7) und noch vieles andere schwingt mit.

Christian Eisenberger wurde 1978 in Graz geboren. Er arbeitet mit Zucker, Eis und Eisen, mit Spinnweben und Wespennesten, mit Feuer, Farbe und mit Wasser, mit Leinwand und Papier. Seine Kunst ist der unmittelbare Ausdruck seiner körperlichen Gegenwart.

Text: P. Gustav Schörghofer SJ
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

TO BE IN LIMBOEine Installation von Steinbrener / Dempf & Huber

TO BE IN LIMBO
Eine Installation von Steinbrener / Dempf & Huber

November 2014 – April 2015

Ein riesiger Felsbrocken scheint in einer Kirche zu schweben. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine sockellose Skulptur, die das Thema Glauben und dessen bedrohlichen Momente visualisiert. Zudem ist „To be in Limbo“ eine Hommage an den surrealistischen Maler René Magritte, der wiederholt schwebende Steine darstellte. Die „Natur außer Rand und Band“ ist ein wiederkehrendes Motiv in den meist im öffentlichen Raum platzierten Arbeiten der Wiener Künstlergruppe Steinbrener/Dempf und Huber.

Was im Zeitalter von Cut/Copy/Paste als Abbildung für eine simple Fotomontage gehalten werden kann, wird von Steinbrener/Dempf & Huber tatsächlich in Form eines dreidimensionalen Objektes (8 Meter Höhe, 5 Meter Breite und 4 Meter Tiefe) in der Jesuitenkirche, Wien realisiert.

Seit der griechischen Plastik des 6. Jahrhundert v. Chr. ist die schwebende Nike ein wiederkehrendes Motiv. In der Bibliothek von Alexandria etwa gab es Figuren, die in einem Magnetfeld schwebten. Das Schweben wurde im Lauf der Jahrhunderte der Inbegriff der Übernatürlichkeit. Quer durch die Kunstgeschichte bis ins 20. Jahrhundert wurde für Bildhauer die Darstellung des Schwebens zum Nachweis, schweres Material wie Stein und Metall so gekonnt einsetzen zu können, dass die physikalischen Gesetze aufgehoben zu sein schienen. Die Surrealisten stellten diese Gesetze wiederholt in Frage.

In der Jesuitenkirche wirkt der Fels bedrohlich, das spirituelle Moment entwickelt sich hier zur Damokles-artigen Anmutung.