Historische Landkarten aus der Sammlung der Jesuiten:Kunst
Nach der Auflösung des Kalksburger Kunstkabinetts wurde ein repräsentativer Teil des Bestandes nach Wien 1 transferiert. Die Graphiksammlung, darunter auch eine Sammlung historischer Landkarten, wurde damit Teil der Sammlung Jesuiten:Kunst. Vier dieser Landkarten sind nun im JesuitenFoyer zu sehen.
Die beiden Weltkarten von Martin Waldseemüller (ca. 1472–1520) wurden 1901 von Josef Fischer SJ in der Bibliothek von Schloß Wolfegg entdeckt. 1903 wurden sie als Faksimile von Josef Fischer SJ und Franz Ritter von Wieser ediert. Die gezeigten Karten stammen aus dieser Edition. Die durch Nachdrucke bekannte Weltkarte von Martin Waldseemüller galt lange als verschollen. Sie bildete gemeinsam mit einem ebenfalls von Waldseemüller gezeichneten Weltglobus Teil einer Veröffentlichung, die 1507 erschienen ist: Cosmographiae Introductio. Verfasser des Textes war Matthias Ringmann, mit Waldmüller befreundet und wie dieser Mitglied eines Kreises von Gelehrten in Saint Dié-des-Vosges, einem für seine humanistische Geisteshaltung berühmten Kloster in Lothringen. Am Kolleg des Klosters unterrichteten Waldmüller und Ringmann. In seinem Text schlug Ringmann vor, den neu entdeckten Kontinent, denn als solchen bezeichnete er diese neue Welt, nach Amerigo Vespucci „America“ zu nennen, weiblich deswegen, weil alle Kontinente weiblich seien. Diese Bezeichnung übernimmt Waldseemüller in seine Weltkarte, die alte kartographische Traditionen mit neuen Erkenntnissen verbindet und zum ersten Mal das neu entdeckte Land als Kontinent zeigt und als America bezeichnet. 1516 wurde die Carta Marina Waldseemüllers gedruckt, die erste große und gedruckte Seekarte der gesamten damals bekannten Welt. Hundert Jahre blieben die einzigartigen Karten nach ihrer Entdeckung auf Schloß Wolfegg im Eigentum der Fürsten von und zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee. Dann wurden sie schließlich 2001 an die USA verkauft und befinden sich nun in der Library of Congress in Washington. Martin Waldseemüller war sich offenbar nicht sicher, ob die neu entdeckte Welt tatsächlich als Kontinent zu sehen war und hat in der Carta Marina diesen Weltteil als Asien zugehörig bezeichnet.
Georg Matthäus Vischer (1628–1696) stammte aus Tirol und war Pfarrer in Leonstein. Vor allem aber war er Kartograph und genoss als solcher höchste Anerkennung. 1667 beauftragten ihn die oberösterreichischen Stände mit dem Erstellen einer Karte des Landes ob der Enns. Vischer bereiste das ganze Land und arbeitete mit modernsten Messgeräten. Seine 1669 in Augsburg von Melchior Küssel gedruckte Karte blieb über ein Jahrhundert lang die maßgebende Karte der Austria Superior. Der gezeigte Druck stammt aus dem Jahr 1762. Vischer fertigte auch zahlreiche Zeichnungen von Gegenden, Städten und bemerkenswerten Bauwerken, einige sind auf der Karte zu sehen. 222 dieser Zeichnungen sind als Kupferstiche 1674 unter dem Titel Topographia Austriae superioris modernae in Augsburg erschienen.
Die Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu wurde 1563 gegründet. Die ausgestellte Karte stammt aus der Zeit des Generaloberen P. Michelangelo Tamburini SJ, ca. 1710. Sie wurde von Matthäus Seutter (1678–1757) in Augsburg veröffentlicht. Im 18. Jahrhundert hatte die Provincia Austriae SJ bis zu 1900 Mitglieder. Auf der Karte sind die Niederlassungen verzeichnet, die Wegstrecken zwischen bedeutenden Orten sind in einer Tabelle angegeben. Es findet sich ein Verzeichnis der Generaloberen, der Provinziäle und bedeutender Wohltäter des Ordens.
Gustav Schörghofer SJ