RICHARD HIRSCHBÄCK

02. Februar 2011 - 15. März 2011

DER AUGENÖFFNER

Während der vergangenen achtzehn Jahre habe ich Richard Hirschbäck Jahr für Jahr in Thumersbach bei Zell am See besucht. Jedes Mal gab es überraschend Neues zu sehen. Die Wandlung seiner Kunst, das Ergebnis unentwegten Suchens und intensiver Arbeit, war nicht am gerade aktuellen der Kunstszene orientiert. Sie folgte eigenen Gesetzen, die nach und nach im Leben und in der Arbeit von Richard Hirschbäck immer deutlicher in Erscheinung traten. Diese Entwicklung war tief verwurzelt in der Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie war in all ihren Gestalten, von strengen Linienkonstruktionen bis hin zu gestischen Arbeiten, von surrealen Bilderfindungen bis hin zu Gestaltungen aus Farbquadraten, eine eigenständige Interpretation dieser Geschichte.

Richard Hirschbäck war in seiner Kunst kein Neuerer, kein Erfinder bisher unbekannter Möglichkeiten des Gestaltens.  Zeit seines Lebens suchte er den Reichtum zugänglich zu machen, der in der Kunst des vergangenen Jahrhunderts und ihren gestalterischen Möglichkeiten geborgen ist. Das ist ihm mit seinem Werk oft und oft gelungen, zur Freude vieler. Seine Kunst ist sehr gegenwärtig, doch bewusst abseits von der lauten Szene des Kunstbetriebs. Sie ist nicht laut, sie hat ungebrochene Vitalität, einen unverwechselbaren Klang.  Sie öffnet das Auge des Betrachters für den Reichtum moderner und zeitgenössischer Kunst, weit über die Grenzen hinaus, die auch diesem erstaunlich wachen Künstler gesteckt waren.

Der Aufbau von Ordnung, die Präsenz eines nicht durch den Willen von aussen Auferlegten, sondern aus innerer Notwendigkeit, einem „sanften Gesetz“ entstandenen Zusammenhangs der Erscheinungen ist ein Leitmotiv in den Arbeiten von Richard Hirsch back.  er hat einmal in der Beschreibung einer Landschaft davon erzählt, wie diese Ordnung in der zufällig wirkenden Gestalt eines Berghangs zu entdecken ist.  Er hatte den Blick für diese Ordnung.  Von seinem Auge wurde der Schatz ungeahnter und wunderbarer Zusammenhänge des Sichtbaren immer neu gehoben.  Seine Kunst macht das für andere sichtbar. Sie ist eine Schule der Wahrnehmung.

In den letzten Jahren ist Richard Hirschbäck zu einfachen, am geometrischen orientierten Formen zurückgekehrt.  So sind 2007 die letzten Bilder entstanden. Wir sehen ein Gesetz, eine Ordnung, können sie aber nicht fassen. Sie ist immer wieder neu wahrnehmbar, kann aber nicht festgehalten werden.

Am 13. Juli 2007 ist Richard Hirschbäck 70jährig in Thumersbach gestorben.

Gustav Schörghofer SJ

 

EINFÄLLE

manchmal, in Abständen von einigen Jahren, habe ich einen wiederkehrenden Traum: meistens ist es so, dass ich in einem Museum oder in einer Galerie die Eröffnung einer Ausstellung besuche und schon nach den ersten Blicken auf die Bilder – es handelt sich immer um Bilder – betroffen anhalte. Es sind arbeiten, die von mir sein könnten, nur habe ich sie noch nicht gemalt, aber schon erahnt. Es sind auch Malereien darunter, die ich in einem vorläufigen Zustand abgebrochen oder überarbeitet habe. Hier in der Traumgalerie zeigen sie vollendete Lösungen. Da beschleicht mich der Neid und ich fühle mich traurig, weil ich doch schon so nahe daran war, das zu malen, wonach ich mich sehnte.  In dieser gedrückten Stimmung wache ich auf und es durchzuckt mich Freude, wenn mir bewusst wird, dass ich ja ganz eigene Visionen hatte.  Früher bin ich sofort zu Stift und Papier geeilt, um den Schatz zu heben. Aber immer habe ich erfahren müssen, dass im Augenblick des Zugriffes alles zwischen meinen Fingern zerrann und nur plumpe, peinliche Annäherungen übrig blieben. Immerhin war es beruhigend, die Bilder mit sich herumzutragen.

Allmählich bin ich dann draufgekommen, dass sich die Träume einfinden, wenn sie weder gepackt noch ihnen fallen gestellt werden.  Freiwillig schleichen sie sich ein, wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. So habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, jeden Tag mit den nassen Pinseln des Vortages auf DIN A4 oder DIN A3 Blättern zu malen und mich ganz den zufallenden Einfällen zu überlassen. So haben sich in den vergangenen Jahren sehr viele Traumblätter angesammelt und ich sehe in ihnen längst nicht mehr beiläufige Notizen, sondern einen eigenständigen und wichtigen Teil meiner Malerei.

Richard Hirschbäck

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