KATRINA DASCHNER

2. Dezember 2010 – 16. Jänner 2011

ZUM KÜNSTLERISCHEN WERK VON KATRINA DASCHNER

Lange nachdem die Performance als ästhetische Haltung – nach der zwischenzeitlichen „Abwesenheit“ seit den 70er Jahren – wieder verstärkt in den aktuellen Kunstdiskurs eintrat, hat Katrina Daschner diese in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. „Mein persönlicher Hauptansatz wurzelt in der feministischen bildenden Kunst. Von Beginn an beschäftigten mich in meiner künstlerischen Arbeit genderspezifische Macht- und Gewaltstrukturen und deren Inszenierungsformen, die Darstellung von Sexualität und Lust(-Prozessen) und queer-feministische (Körper-)Politiken, ebenso wie formale Fragen innerhalb der Performance und ihrer Dokumentation.“ (Katrina Daschner)

Erstmals aufmerksam wurde die Öffentlichkeit auf die Künstlerin 2001. Gemeinsam mit Johanna Kirsch und Stefanie Seibold betrieb sie von 2001 bis 2002 in der Burggasse im siebten Wiener Gemeindebezirk den mittlerweile legendären Performance Space Salon Lady Chutney. Jeden Dienstag setzten dort Künstlerinnen und Kunsttheoretikerinnen aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Theater, Medien und Literatur den Raum in Szene. Seit 2009 lädt Katrina Daschner unter dem Namen Frau Professor la Rose regelmäßig in den queeren CLUB BURLESQUE BRUTAL ins brut Theater Wien.

In ihrer filmischen Trilogie HAFENPERLEN (2008), ARIA DE MUSTANG (2009) und FLAMING FLAMINGOS (2010) versucht Daschner die Bühne bzw. den Ausstellungsraum als sexualisiertes Spiel- und Performancefeld zu denken, auf dem Blickregime, Lust und Machtprozesse stattfinden und neu verhandelt werden. Zentral ist hiebei die Auseinandersetzung mit der New Burlesque: in Anlehnung an Theaterformen der 1920er bis 1930er Jahre wird mit Humor und Selbstbewusstsein der zumeist weibliche Körper als bestimmtes Feld der Attraktion neu erschlossen.

Ein weiteres Schlüsselwerk ist DOLORES, das erstmals 2005 in der Factory KUNSTHALLE KREMS zu sehen war. Dolores ist eine Neuinszenierung des in den 1950er Jahren erschienenen Erfolgsromans LOLITA von Vladimir Nabokov. Daschners Neuerzählung wird im Rahmen einer Rauminstallation, in einer Abfolge von insgesamt sechs Räumen und in verschiedenen Medienformaten, gefasst. Haupteingriff in die Erzählung ist der Perspektivenwechsel des Ich-Erzählers Humbert Humbert zur Ich-Erzählerin Dolores, in der Folge entsteht eine Emanzipationsgeschichte.

TäterIn ist eine mehrteilige Installation, die erstmals 2007 in der Fotogalerie Wien präsentiert wurde. In der performativen Installation bzw. bildnerischen Inszenierung geht es um sexualisierte Gewalt in sozialen Nahverhältnissen – wie Familie. Die Textvorlage setzt lediglich Eckpunkte innerhalb des minimalistisch-distanzierten Settings. Wie viele ihrer Projekte spricht auch TäterIn auf unterschiedlichen Ebenen über „Bühne“, bzw. den Transfer von theatraler Handlung und Inszenierung in den Kontext der bildenden Kunst.

 

JURYBEGRÜNDUNG (Auszug)

„Mit Katrina Daschner wurde der Otto Mauer Preis erstmals einer Künstlerin verliehen, deren Schwerpunkt auf performativen Ausdrucksformen liegt. Die Jury würdigt Daschners Position als Fortführung der performativen, insbesondere feministischen Tendenzen in Österreich, die seit den 1960er Jahren die Kunst nach 1945 maßgeblich geprägt haben.

In Daschners Projekten geht es um den Transfer von theatraler Handlung und Inszenierung in den Kontext der bildenden Kunst, wobei besonders hervorzuheben ist, dass sie in unterschiedlichen Bereichen genderübergreifend arbeitet. So ist sie selbst vielfach die Protagonistin ihrer Videos, Filme und Installationen; sie ist aber auch Musikerin, die in der Performance Band SV DAMENKRAFT (2002–2008) spielte, und sie betrieb zusammen mit Johanna Kirsch und Stefanie Seibold den Performance Space Salon Lady Chutney in Wien (2001–2002). Von 2005 bis 2010 unterrichtete sie an der Akademie der bildenden Künste Wien Performance.

Daschner beschäftigt sich in ihren künstlerischen Arbeiten mit genderspezifischen Macht- und Gewaltstrukturen und deren Inszenierungsformen, die um die Thematik von queerfeministischen (Körper-)Politiken kreisen. Ihre „Stücke“ handeln von Sexualität, Fantasien und Begehren, die sie gegen den Strich von Alltagsnormen und Wahrnehmungskonventionen liest und inszeniert.“ (…)

Gustav Schörghofer SJ