CHRISTOPH LUGER
BLAU

März 2003 - April 2003

Christoph Luger, der bis dahin mit Farbe sehr sparsam umgegangen ist, hat die erste großformatige farbige Arbeit während der Fastenzeit in den Hochaltar der Jesuitenkirche gehängt. Durch das Zusammenkleben mehrerer Papierbahnen wurde die große Fläche strukturiert. Sie hat etwas Gebautes. Die Farbflächen entsprechen dieser Struktur. Verwendet wurde Kobaltblau, Neapelgelb und Orange. Die Rückseite des Papiers ist mit Schwarz bearbeitet worden. Die schwarze Grundierung der Rückseite und die weiße Farbe des Papierkörpers bilden den Grund der drei Farben. Diese wurden rein aufgetragen. Ihre Schichtung ergibt Übergangstöne, Zwischentöne. Entstanden ist eine bei aller Größe klar geordnete und sehr fein differenzierte farbige Fläche. Sowohl durch die Farben als auch durch das Weiß und Schwarz des Grundes geschieht eine Weitung ins Räumliche. Die Gestalt dieses Kunstwerks entfaltet sich im Wechsel unterschiedlichen Lichts. Wie der Kirchenraum im Ganzen erschließt sie sich einem Betrachter, der geduldig auf die große Form und zugleich auf die Vielfalt im Kleinen eingeht.

Christoph Luger wagt sich mit seiner Arbeit in mehrfachem Sinn an Grenzen heran. Da ist die Grenze zum Hinfälligen, zur Auflösung. Eine andere Grenze ist die zum anspruchslos Schönen. An diese Grenze hat sich auch Andrea Pozzo mit der farblichen Gestaltung der Kirche herangewagt. Die Fülle von Rosarot wird gerade noch am Rand zum Kitschigen gehalten.  Im Aquarell von Christoph Luger werden die Farben in ihrer Bindung an das Schwarz und Weiß des Grundes und in ihrer Beziehung zueinander so sehr geformt, dass die Fläche nie ins Stimmungshafte abstürzt. Luger ist ein großes Risiko eingegangen. Das hat sich gelohnt.

Aus „Drei in Blau“, Gustav Schörghofer SJ, 2013