FLORIAN SCHAUMBERGER
FRATRES

Oktober 2001 - Jänner 2002

Florian Schaumberger hat die meisten seiner Skulpturen aus Formrohren gebaut. Die aus einem einheitlich geformten Grundmaterial zusammengefügten und aufgerichteten Gebilde haben eine Nähe zur Architektur. Schwünge und Gegenschwünge setzen die Skulpturen in Spannung zum Statischen des Gebauten. Die Figuren dringen vor, schwingen sich auf. Das Erbe des Figürlichen, der Bezug zur Gestalt des Menschen, wird stets bewahrt.

Ein dramatisches Geschehen zwischen Oben und Unten wird in der Jesuitenkirche auf vielfache Weise dargestellt. Flammen züngeln hoch, Säulen winden sich empor, Menschen öffnen sich ekstatisch nach oben. Aus der Höhe stürzen die bösen Geister herab.

In diesem Geschehen nehmen die Fratres ihre Position ein. Sie lassen sich nicht vereinnahmen, sie bleiben etwas Eigenes, das die Kraft hat, dem Umgebenden zu widersprechen. In Ihrer Eigenständigkeit aber tragen sie, jede auf ihre eigene Weise, das große Thema des Raumes vor: die aufrechte Haltung, den kühnen Aufschwung, die klare Ausrichtung. Und noch mehr: Sie bilden eine Gemeinschaft. Was eine jede tut, wird von den anderen mitgetragen. Sie sind so gestellt, dass sie aus dem Innenraum der Kirche hinausweisen. Durch gemeinsame Ausrichtung stellen sie eine Einheit dar. Es ist, als würden sich alle drei nach der gleichen Musik bewegen – eine jede auf eine nur ihr eigentümliche Weise.

Die Skulptur Violence II ist hervorgegangen aus  der Zertrümmerung alter figürlicher Ordnung. Sie ist durch die Gewalt des Zerstörens hindurchgegangen und trägt die Male eines Bruchs, eines Risses an sich. Sie erinnert an Reste einer geborstenen Architektur. Was früher einen Lebensraum umfangen hat, ist nun aufgebrochen, einer offenen Wunde gleich.

Wie Schilde sind einige splittrige Teile so gestellt, dass ein Innenraum entsteht, der nach allen Seiten hin offen bleibt. Eine Ansammlung versehrter, labiler, aus früheren Zusammenhängen gerissener Trümmer wird zur Gestalt eines Aufbruchs. Mit der Zerstörung der alten Form ist eine Entfaltung der Fläche in die neue Dimension des Raumes möglich geworden. Ein Aufbruch, der etwas hat von der Verletzlichkeit und dem Ungeschützten eines Wesens, das sich ganz preisgibt.

Violence II hat den Charakter des Monumentalen. Die Skulptur ist in großem Format vorstellbar. Ein Denkmal – den Opfern von Gewalt und Terrorismus.

Aus „Drei in Blau“, Gustav Schörghofer SJ, 2013