BARBARA EICHHORN
WHAT DO I DO WHEN I SEE

24. September 2015 - 25. Oktober 2015

Als wäre das Bett ins Gebirge entrückt und halb in der Erde versunken. Als wären kahle Hänge im Hintergrund und ein fahler Himmel. Es ist kein Zimmer zu sehen, kein beschreibbarer Raum. Das Bett scheint unterzugehen in Wolken dicht nebeneinander gesetzter Bleistiftstriche, in einem an- und abschwellenden Dunkel, in einer Finsternis, die ganz und gar aus Fasern zu bestehen scheint, Fasern überall, dass einem die Luft zum Atmen genommen wird. Doch das Bett schafft eine Lichtung, einen Freiraum. Da ist es hell, gleich hinter der Nachtischlampe, die wie unvermittelt aus dem Strichwerk auftaucht. Das Dunkel ihres Schirms lässt die Helle des Leintuchs noch intensiver aufleuchten.

Kissen und Tuchent wölben sich aus dem Hellen hinein ins Finstere. Ein Schlafanzug ist über die Tuchent gelegt. Niemand liegt im Bett, doch ist die Tuchent wie ein Körper gerollt. Ein Körper, zum Kissen hingeschmiegt. Der Schlafanzug ist leicht. Als wäre ein unbekanntes Lebewesen ausgeschlüpft. Als hätte es nur die leere Hülle seiner Haut hinterlassen. Leicht und licht.

Das Fußende des Bettes ist massiv und schwer gezeichnet, ein schwarzer Streifen dichter Striche. Hier hat es ein Ende. Oder hier beginnt es. Diagonal ist das Bett ins lang gezogene Rechteck des Blattes gesetzt. Das Kopfende bleibt verborgen, versunken im Düsteren eines Raums, der wie über die Dinge geworfenes Heu alles verschlingt. Wo fängt es an? Wo hört es auf? Ist der Beginn im Unbestimmten und geht es immer mehr ins Lichte klar erkennbarer Gestalten, um dann mit dem schwarzen Rand an ein jähes Ende zu stoßen? Oder fängt es klar konturiert an und versinkt dann nach und nach im Unbestimmten, Undurchdringlichen, aus dem die Lampe aufragt wie der Kirchturm eines versunkenen Dorfes.

Barbara Eichhorn ist Zeichnerin. Sie arbeitet auf Papier oder direkt auf der Wand. Mit ihrer Kunst gestaltet sie kleine, aber auch sehr große Flächen. Die Zeichnung mit dem Bett war Teil einer größeren Arbeit namens PASSAGE, die 2010 im Lentos Kunstmuseum in Linz zu sehen war. „PASSAGE ist eine Arbeit zum Thema Ursprung, Prägung und Vergänglichkeit. Wo kommen wir her, wo steht unsere Wiege, was macht uns aus, wo gehen wir hin und was bleibt von all dem?“ schreibt Barbara Eichhorn. Sie hat das Bett ihrer Mutter gezeichnet.

Gustav Schörghofer SJ