LUISA KASALICKY
INSTALLATION

29. Mai 2015 – 20. Dezember 2015

Zwei Ecken des Umgangs der Konzilsgedächtniskirche wurden mit schwarzem Stoff ausgeschlagen. Im Schwarz, einem räumlichen Dunkel, einige Dinge. Links Rahmen, rechts Stuckarbeiten, Hohlkehle, Fries, Gesims, ein Kruzifix. Im Dunkel auch Licht, rechts als farbiger Akzent eine grüne Neonröhre versteckt unter der Hohlkehle und über einem Friesfragment orangefarbenes Licht. Links das honiggelbe Licht einer Hängelampe. Weiß und Schwarz sind markant gegeneinander gesetzt. Durch Schrägstellen von Rahmen und Gesimsleisten wird Räumlichkeit dargestellt. Die Rahmen bleiben leer, bildlos im bildlosen Raum. Der Kruzifix im rechten Eck ist deponiert und exponiert zugleich. Beide Ecken bilden Räume, die etwas bergen und nicht preisgeben, eine Andeutung bloß, die vieles offen lässt. Wir werden auf Distanz gehalten und kommen vielleicht auf die Idee, im Raum etwas herumzugehen, um neue Eindrücke zu sammeln. Doch so viel wir auch schauen, die dunklen, kleinen Eckräume mit ihren kleinen Lichtern und hellen Fragmenten bergen ein Geheimnis, das sie nicht preisgeben. Mit ihrer Kunst ist es Luisa Kasalicky gelungen, im scheinbar geheimnislosen Raum dieser Kirche zwei Orte des Mysteriums zu schaffen. Was Bild war, entzieht sich hier ins Bildlose. Was eingehend beschrieben wurde, früher, in einer anderen Zeit, ist hier nur noch als Andeutung gegeben. Die Erzählungen der alten Bilder sind hier ins Schweigen von Schwarz und Weiß, von bildlosen Rahmen gewandelt, in ein Bild des Entzugs der Bilder. Was sich hier im Kleinen zeigt, ist allerdings auch im Großen des Raums präsent, unmerklich vielleicht. Im Kleinen wird es verdichtet gegenwärtig.

Angesichts der Arbeiten von Luisa Kasalicky hat ein Betrachter einiges zu tun. Da gibt es nämlich einiges zu ergänzen. Ergänzt wird ja immer beim Betrachten der Welt. Ihr auf dem Kopf stehendes Bild wird in der Wahrnehmung um 180 Grad gedreht, aus ein paar Strichen wird ein Gesicht gebildet, Schrägen werden als räumliche Anordnungen gedeutet und vieles mehr. Die Kunst von Luisa Kasalicky ist eine Kunst der Andeutungen. Der Wahrnehmende macht etwas daraus. Bei jedem Betrachter, jeder Betrachterin wird etwas anderes herauskommen.  Aber immer bin ich als Betrachter vor diesen Fragmenten gefordert, aufgerufen, mich selbst ins Spiel zu bringen. Das heißt nicht, dass die Begegnung mit dieser Kunst aufwühlend wäre, verstörend, beunruhigend. Ganz und gar nicht. Das Ausharren vor den Arbeiten Luisa Kasalickys hat etwas Sammelndes. Diese Dinge lassen sich regelrecht kontemplieren. Denn es zeigt sich, dass das Viele, Fragmente aller Art, Bruchstücke und Andeutungen, aufeinander bezogen ist, dass hier etwas Ganzes angedeutet wird, ohne dass wir es als solches zu Gesicht bekommen. Diese Kunst hat sehr viel mit Dunkelheit zu tun, mit Licht, das Angedeutetes wahrnehmbar macht, mit Fehlendem und nicht Einsehbarem, nicht Sichtbarem.

Luisa Kasalicky hat an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Gunther Damisch studiert. Sie ist ursprünglich Malerin. Sie ist es auch geblieben, hat aber den Raum ihrer Kunst immer weiter ausgedehnt. Nicht nur, dass ihre Malereien Räume eröffnen, die mitunter an Bühnen erinnern. Oder dass in ihren Zeichnungen scheinbar völlig Widersprüchliches und weit Hergeholtes zu luftigen Phantasiewelten zusammenfindet. Sondern auch in dem unmittelbaren und direkten Sinn, dass die Malerei in den Raum hinauswächst, dass sie Züge des Reliefs annimmt, ja mehr noch, ins Gebaute von Installationen übergeht. Luisa Kasalicky ist also eine Malerin, die das malerische Gestalten nicht nur auf Leinwand oder Papier betreibt, sondern ausweitet ins Räumliche. Sie erweitert die Bildfläche nicht durch die Illusion von Räumen, sondern durch Herstellen von Räumen. Als hätte sie Flächen zerstückelt und zerschnitten und so zueinander gestellt, dass sie die Grenzen eines gerahmten Bildes sprengen und schließlich reale Räume bilden. Luisa Kasalicky hat so auf sehr vielfältige Weise Räume geschaffen, die eine immer wirksame Kraft der Transformation durchwirkt. Transformation des Malerischen ins Skulpturale, der Raumillusion in den realen Raum, des Raumkontinuums ins Diskontinuierliche, des Erzählflusses in stammelndes Andenken, des Vertrauten in Befremdendes, der traditionellen Verfahrensweise in ein spielerisches Experimentieren. Ein Hauch von Humor durchweht diese eigenartigen Welten. Dass Geheimnis und Humor in Eins gehen, macht ihren besonderen Zauber aus.

Gustav Schörghofer SJ

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