CANAN DAGDELEN
IMMATERIAL construct

27. Mai – 11. September 2021

Canan Dagdelen setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit Themen wie Zugehörigkeit, Identität und insbesondere mit Migration auseinander und bedient sich dabei der Sprache der Architektur. Somit beschäftigt sie sich primär mit dem Raum. Dieses elementare Konstante ihres ästhetischen Denkens und Handelns oszilliert in ihren Werken subtil zwischen den verschiedenen inhaltlichen Ebenen von Raum: Raum als Volumen, Raum als Ausdehnung, aber auch Raum im sozialen Sinne, als Bereich gesellschaftlicher Interaktionen und schließlich Raum als Architektur. Dafür fokussiert sie sich bewusst auf die Bauwerke der frühislamischen Zeit. „Die Auseinandersetzung mit diesen historischen Vorbildern bildet für die Werke von Canan Dagdelen eine Art Matrix, von der aus sie Beständigkeit und Veränderlichkeit in Raum- und Zeitkoordinaten reflektiert und deutet … Canan Dagdelen bewegt sich zwischen zwei Kulturen – dem Orient und dem Okzident – und integriert ihre Kunst fließend im Sinne einer Synthese in dieses Spannungsfeld.“ Tayfun Belgin, Direktor, Osthaus Museum, Hagen 2012

Im Mittelpunkt der Ausstellung IMMATERIAL construct im JesuitenFoyer steht die raumgreifende schwebende Installation TABANI dot, welche den Ausstellungsraum minimalistisch in ein Spiel der Poesie verwandelt. Hunderte linsenförmige Aluminiumobjekte an feinen Stahlseilen von der Decke hängend definieren großzügig den rechteckigen Grundrissplan einer Karawanserei. Canan Dagdelen spielt hier mit einem Naturgesetz. Einerseits nützt sie in ihrer Hängeskulptur die Schwerkraft, um ihre elementaren Formen nach einer Anordnung von der Decke hängen zu lassen, andererseits schafft sie ein schwerelos im Raum schwebendes Bild, das die Schwerkraft außer Kraft zu setzen scheint. Canan Dagdelen nutzt die Schwerkraft, um ein Bild von Schwerelosigkeit zu suggerieren.

 Dieses Spiel gegen die Schwerkraft erinnert an die ursprüngliche Funktion des Gebäudes einer Karawanserei – ein Ort für vorübergehende Aufenthalte, ein Durchzugsort, ein Ort an dem Wissen und Können, Erlebnisse und Ansichten, Überzeugungen und Prinzipien, Lebensstile und Lebenserfahrungen ausgetauscht im „Fluss“ bleiben. Ein Ort, der für einen begrenzten Zeitraum zur Basis, zum Orientierungspunkt wird, – wie das Leben selbst.

„Im Mittelpunkt meiner künstlerischen Arbeit steht immer wieder der Mensch mit seinem Bestreben in Ungewissheit sein weltliches Dasein zu positionieren. Ich denke, dass es nur eine innere imaginäre Sicherheit gibt, welche ein feiner Balanceakt zwischen Himmel und Erde sei, wie auch bei ‚TABANI dot’. Besonders in der Zeit, in der wir jetzt leben, ist es die große Herausforderung jenen „inneren Raum“ in sich zu finden, der die ersehnte Stabilität und Geborgenheit schafft.“ Canan Dagdelen zur Aktualität ihrer Installation TABANI dot.

Außerdem wird in der Ausstellung IMMATERIAL construct die Sprache der Installation inhaltlich und formal mit vier farbigen Entwurfszeichnungen ausgehend von den eigenen Fotografien der Künstlerin begleitet.

Zur Person

Canan Dagdelen lebt und arbeitet in Wien. Ihre raumgreifenden Installationen und Interventionen waren im Rahmen von Einzel- und Gruppenausstellungen international zu sehen. Ihre Arbeiten sind in mehreren Sammlungen u.a. in Wien Museum / Kunstmuseum Lentos, Linz / Museum Liaunig / Istanbul Modern / Arter, Vehbi Koç Foundation Zeitgenössische Kunstsammlung Istanbul / 21st Century Museum of Contemporary Art, Kanazawa / Sammlung des Niederösterreichischen Landesmuseums und in Privatsammlungen vertreten.

Öffnungszeiten

Bis 4. Juli gelten die regulären Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 16:00 bis 18:00 Uhr sowie Samstag, 11:00 bis 13:00 Uhr. In den darauffolgenden Wochen ist ein Besuch der Ausstellung ausschließlich nach telefonischer Vereinbarung (Tel: 0699 11441567) möglich.

Sollten auf Grund aktualisierter Corona-Bestimmungen Änderungen notwendig sein, werden diese auf unserer Website rechtzeitig bekannt gegeben.