ERIC KRESSNIG

16. Mai 2012 - 7. Juni 2012

Wenn ich aus dem Fenster sehe, geht der Blick in den Himmel und auf die Gebäude gegenüber. Vor der blauen Fläche des Himmels Türme, Häuser, Objekte aller Art. Bei Eric Kressnig ist es umgekehrt. Da ist die Fläche der Malerei, oft ein Blau, vor dem Objekt. Man könnte an die Farbmuster an einer Hauswand denken. Eigentlich malt Eric Kressnig keine Bilder. Er legt Farbflächen auf Körper. Ein Holzgerüst wird mit Leinwand bespannt. Es entsteht ein flacher Quader. Das Leinen wird bearbeitet, grundiert. Die Farbe lässt Zonen des rohen Leinens frei. Manchmal wird die Farbfläche über die Kante des Quaders gebogen, sodass sich die Farbe wie eine Spange um den Körper legt.

Solche Quader können eine Sechsergruppe bilden. Farbige Vierecke, meist Rechtecke, werden auf die Vorderseite gemalt. Form und Verteilung sind streng festgelegt. Die Farben werden sehr verdünnt aufgetragen. Sie sind aufeinander abgestimmt und bleiben vielfach im Bereich des Blau. Am Außenrand und auch zwischen den Farbflächen ist die rohe braune Leinwand zu sehen. Da die Umrisse der farbigen Fläche nicht parallel zum Umriss der Quader verlaufen und die gesamte Farbfläche in sich eine Art Knick hat, entsteht der Eindruck von räumlicher Tiefe. Die Farbflächen oben und jene unten sind aufeinander bezogen, ebenso die Flächen rechts und links. Doch Symmetrie gibt es keine. Es herrscht der Eindruck einer strengen Ordnung. Worin sie aber besteht, lässt sich nicht recht erkennen.

Eric Kressnig stellt in seinen Werken auf vielfältige Weise Bezüge zum Körperlichen her. Er kommt vom Handwerk. Diese Herkunft teilt sich allem mit, was er macht. Er steht zu seinen Werken in einem körperlichen Kontakt. Sie sind von ihm gebaut, gefügt, geschliffen, gestrichen, bemalt, im Groben wie im Feinen bearbeitet. Eine Betrachterin steht mit größter Sorgfalt gestalteten Körpern gegenüber. Diese Körper wiederum wenden sich ihr zu. Sie schauen sie an. Als Gegenüber sind diese Objekte streng und reizvoll zugleich. Sie sagen: Hier stehst Du, schau mich an. Sie eröffnen eine Welt farblicher und räumlicher Tiefe, eine Welt der Ordnung und überraschender Unregelmäßigkeit, der Einfachheit und Vielfalt. Ich glaube, es lässt sich gut mit ihnen leben.

Gustav Schörghofer SJ

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