SIGGI HOFER

19. November 2009 - 20. Dezember 2009

WEIHNACHTEN IST EIN SEHR SEHR TRAURIGES FEST

Schon als Siebenjähriger hat Siggi Hofer auf Papierbögen Häuser zu einer Stadt aneinandergereiht und die Figuren aus Walt Disneys Comics nachgezeichnet. Als erwachsener Künstler zeichnet er Stadtansichten aus der Vogelperspektive und riesige Nachbildungen der Figuren aus Kinderzeiten. Und er baut kleine Modelle von Häusern und Schiffen. Alles in dieser Kunst wirkt auf den ersten Blick geordnet, sauber und übersichtlich. So, wie das Leben sein sollte. Aber beim zweiten Hinschauen bekommt dieser Eindruck Sprünge. Und bei weiterem Betrachten zerbröselt er völlig. Gerade so sollte das Leben nicht sein.

Die kleinteilige Ordnung der Städtebilder wird durch fremdartige Gebilde in Frage gestellt, weiße Löcher lassen das Gestaltete als grund- und bodenlos erscheinen. Oder die Figuren: Sie wirken durch ins Übermäßige gesteigerte Deformationen fremd, gar nicht mehr so vertraut wie die munteren Gestalten Walt Disneys. Die Modelle von Häusern und Schiffen haben Wucherungen, sind scheinbar angebrannt, haben keine Fenster und wirken sonderbar unbrauchbar.

Diese Beobachtungen gelten auch für Siggi Hofers Gestaltung eigener Ausstellungen. Zuerst scheint alles geordnet, bereit für den letzten Arbeitsgang. Dann zeigt sich, dass diese an die Wand gelehnten Bilder und auf Schachteln gestellten Modelle so bleiben werden. Das ist also schon die Ausstellung. Und wir sind ein bisschen ratlos.

Die Arbeiten von Siggi Hofer haben durchgehend den Charakter von Modellen. Sie machen etwas vor: Wie Leben sein sollte und wie es gerade nicht sein sollte, aber doch ist. So heiter die Arbeiten auf den ersten Blick wirken, so sehr wird diese Heiterkeit bei genauerem Hinsehen in Frage gestellt. Eine merkwürdig kindliche Spielfreude durchzieht aber alles.

Dieses in allem durchgehaltene Schweben zwischen ernst und heiter, schwer und leicht, oberflächlich und abgründig macht die besondere Qualität der Kunst Siggi Hofers aus. Diese Kunst hat etwas vom Wunder des kindlichen Blicks. Und sie hat etwas von der analytischen Schärfe des erwachsenen Auges. Und sie hat das seltene Gespür für ein Glück, das durch den Spalt zwischen Entwurf und Wirklichkeit in unser Leben sickert. Zwischen dem in der Sehnsucht entworfenen und dem realen Weihnachten bleibt ein Spalt. Diesen Spalt hält die Kunst zum Glück der Betrachter offen.

Im vergangenen November hat Siggi Hofer den Msgr. Otto Mauer – Preis 2009 erhalten.

Gustav Schörghofer SJ