MEINA SCHELLANDER
KONNEXION 2

Mai 2008 - November 2008

Die Installation in der Jesuitenkirche schlägt einen weiten Bogen hin zu den Anfängen der künstlerischen Tätigkeit von Meina Schellander, einem mächtigen, von einem Stahlseil schwebend gehaltenen Stein: FINDLING KRASTAL, 1973 – 1986, – NULLMARKE – .

KONNEXION 1, eine Rauminstallation am, im und um den Maria Saaler Dom und darüber hinaus, war von Meina Schellander ihrer Mutter Maria Schellander gewidmet worden. Ein gelbes Seil zog sich als nie enden wollender Faden von einem Nadelobjekt aus Holz ausgehend auf verschlungenen Wegen durch, über und um die gewaltige Kirche von Maria Saal bis hin zum Oktogon neben der Kirche und endet an acht im Boden verankerten Holzobjekten. KONNEXION 2 ist eine in den Raum der Jesuitenkirche gehängte Verspannung. 34 Seile entsprechen den 34 Lebensjahren von Simone Weil. Die Verspannung ist gewagt, die in Plexiglas geschriebenen Worte biegen, brechen, kippen, gleiten bezeichnen Ereignisse am Rand, im Übergang. Die Installation kann als Wegmarke verstanden werden, die einen Ort des Erreichten kennzeichnet, zugleich auch als Wegweiser in ein Weiteres. Und sie hält den Raum eines Intervalls offen. Meina Schellander konfrontiert das in sich geschlossene Gesamtkunstwerk des Innenraums der Jesuitenkirche mit einer künstlerischen Gestalt, die sich wortwörtlich an diesen Raum hängt, ihn nicht loslässt, ihm Widerstand leistet, ihn aufreißt, öffnet auf einen neuen Horizont der Erfahrung.

KONNEXION 1=3 ist als temporäre Rauminstallation ab 2008 am und um das Haus ihrer Mutter in Ludmannsdorf 24 von Meina Schellander wieder ihrer Mutter (1914-2005) gewidmet worden. Das Seil und die Holzobjekte von Maria Saal wurden wieder verwendet.

Wer die weite Landschaft der österreichischen Kunst durchstreift, wird eines Tages auch auf das Werk von Meina Schellander stoßen. Es ist in einer eher stillen Zone zu entdecken. Einem wenig beachteten Landstrich, vergleichbar mit einem abgeernteten Kornfeld. Wen zieht es schon hin zu diesen weiten Flächen, wo von der Pracht reifen Korns nur die scharfen Stoppeln geblieben sind. Niemand wird wagen, barfuss über diese Böden zu gehen.

Wer das Feld von Meina Schellander betritt, sollte wie sie mit der Bereitschaft zum präzisen Denken, zum scharfen Blick, zur unermüdlichen Auseinandersetzung mit Anderem, zur kompromisslosen Suche nach immer Besserem ausgerüstet sein. So gesehen hat die hier geforderte Haltung eine Verwandtschaft mit jener von Simone Weil.

„Ich stimme Pater Schörghofer etwas umgewandelt zu, dass ich nicht zu entdecken bin in der Wiener Grünangergasse oder in der Seilerstätte, auch nicht in der Schleifmühlgasse oder in der Eschenbachgasse, wo bekannte Galerien internationale Kunst präsentieren, sondern in einer eher stillen Zone wie der Jesuitenkirche, der ersten Adresse für offenen Diskurs über Gott und die Welt, sowie der Ort für schwer vermarktbare Rauminstallationen.

Doch Pater Schörghofer irrt, wenn er meint, der Landstrich, den ich als freischaffende, in solitärer Position agierende Bauerin (von: bauen) seit vierzig Jahren beackere, wäre mit einem abgeernteten Kornfeld vergleichbar. Ich liebe Stoppelfelder, sie sind in den letzten Jahren oft Ausgangsmotiv für meine gezeichneten Ergänzungen, die Inneren Frequenzen.

Doch was sind hier an Ort und Stelle die scharfen Stoppeln oder die Pracht reifen Korns? (Zitate aus dem Text von P. Gustav Schörghofer SJ)

Der schnelle Blick würde die Stoppeln den Verspannungen von KONNEXION 2, den prächtigen Kirchenraum dem reifen Korn zuordnen. Das längere Hineinschauen in ein Ganzes (Titel eines Bildes von 1976, eines Hauptwerkes und des darauf folgenden analytischen Projektes) dreht für mich das Verhältnis um. Meine geplante präzise Ordnung (in der realen Installation mit Montagetoleranzen), die ich als Filter in die barocke Dichte dieses Raums integriere, überlasse ich dem Spiel des Lichts, das den Austausch, die Konnexion zwischen dem Innen und dem Außen bewirkt. Es wäre Zeit zu ernten.“ (Meina Schellander)

Aus „Drei in Blau“, Gustav Schörghofer SJ, 2013