CHRISTOPH LUGER
4 ARBEITEN

Februar 2002 - April 2002

Christoph Luger ist ein Bearbeiter von Papier. Er häutet das Papier, um die Qualität der Oberfläche zu verändern. Er klebt Papierbahnen aneinander, Papierstücke übereinander. Er bearbeitet die Rückseite des Papiers, damit auf der Vorderseite etwas durchscheint. Durch die Bearbeitung wird das Papier richtiggehend konsumiert, aufgebraucht. Manchmal bleiben nur Fetzen, wird die Materie so dünn und leicht, dass sie sich schon fast verliert. Das Papier wird geflickt, zerrissen, durchlöchert, verschwindet hinter Tusche und Kohle. Christoph Luger arbeitet immer auf die Gefahr hin, dass alles schief geht:

An den Rand dessen gehen, was das Material noch ertragen kann. An den Rand dessen gehen, was Weiß und Schwarz gerade noch ertragen können. Konsum von Schwarz (Kohle, Tusche) und von Weiß (Papier). Das Papier aufgezehrt bis zur Transparenz. Die Kohle verbraucht in unzählbaren Strichen. Die Striche meist sehr dicht gesetzt, parallele senkrechte und schräge. Felder von langgezogenen Strichen, Büschel von kurzen, Verdichtungen und Ballungen. Keine Darstellung eines nacherzählbaren Inhalts, keine Stimmung, nichts Psychologisches. Kein Versuch, etwas zu verdecken, zuzudecken, unsichtbar zu machen. Alles ist darauf angelegt, dass sich etwas zeigt, dass etwas sichtbar wird. Das Schwarz, die Vielzahl der Striche, die Fülle von Formen, die Tuschemalerei mit ihrem Reichtum an Grautönen, Schwarz und Grau: das alles gestaltet, gemacht, geformt, um etwas zustande kommen zu lassen, ein Geschehen, ein Ereignis. Was sich zeigt, ist das Weiß. Nicht als Hintergrund, nicht als Rest des weißen Papiers. Das Weiß ist zugleich mit dem Schwarz da. In den unzähligen Ritzen des Schwarz ist es da. Es zeigt sich im Schwarz. Die Kunst liegt darin, dass eins im anderen ist, nicht eins neben dem anderen. Das Weiß erscheint auf vielerlei Weise: als Streifen am Rand, als Durchbruch, als Schimmer im Grau, wie Glut in der Asche, als Lichtung. Die Präsenz des Weiß ist erfahrbar in seiner Abwesenheit. Es ist keine Farbe, nichts Gemachtes wie das Schwarz, doch ist es mit ihm da. Das zeigt sich.

Anders als in den Arbeiten von Christoph Luger bilden Weiß und Schwarz im barocken Raum der Jesuitenkirche ein Hell-Dunkel-Kontinuum, in das Farben und Formen eingebettet sind. Die Bedeutung des Raumes zeigt sich im Wechsel der Zeit durch das Spiel von ins Helle hervortretenden und ins Dunkel zurücksinkenden Bildern, Formen und Farben.

Zwei Weisen, ein Offenbarungsgeschehen darzustellen.

Aus „Drei in Blau“, Gustav Schörghofer SJ, 2013